Denkfehler bei Infrarotheizungen und was der U-Wert damit zu tun hat

Denkfehler bei Infrarotheizungen und was der U-Wert damit zu tun hat:

Wie jede andere Heizung, muss auch eine Infrarotheizung berechnet und dimensioniert werden. Dazu sagt man Heizlastberechnung. Da es sich um Einzelöfen handelt, müssen die einzelnen Heizlasten je Zimmer berechnet werden. Anbei einige Erläuterungen und Definitionen von Begriffen.

Definition Heizlast
Berechnung der erforderlichen Leistung (Watt bzw. kW) des Heizkörpers, in diesem Fall der Infrarotheizplatte(n) für das jeweilige Zimmer.

Definition Heizwärmebedarf
Damit die gewünschte Temperatur im Gebäude bzw. Zimmer aufrecht gehalten werden kann,
muss dem Gebäude bzw. dem jeweiligen Zimmer eine bestimmte Wärmemenge (kWh) durch die Heizkörper zugeführt werden. Der Heizwärmebedarf eines Gebäudes/Zimmer hängt von den
Transmissionswärmeverlusten (Wärmeverluste durch Wände, Fenster, Dach etc.), Lüftungsverlusten
(undichte Fenster, manuelles Lüften etc.), den solaren Wärmegewinnen (Sonne) und den internen Wärmegewinnen (Beleuchtung, Personen etc.) ab.

Definition U-Wert
Der U-Wert ist abhängig von den jeweiligen Materialien (Poroton, Ziegel, Beton, Glas etc.) und ist ein Maß zur Beurteilung der Wärmedämmeigenschaften von Gebäuden/Zimmern. Je kleiner der U-Wert, desto besser die Wärmedämmung. Der U-Wert (Watt/m²K) bezeichnet die Wärmemenge, die pro Sekunde durch ein Bauteil mit einer Fläche von 1 m² und einer bestimmten Dicke hindurchgeht wenn der Temperatur-Unterschied von Raumluft zur Außenluft 1 Kelvin beträgt.
Die Wärmedämmeigenschaften eines Gebäudes/Zimmers und damit die jeweiligen Heizlasten sowie der Heizwärmebedarf pro Jahr können nur dann korrekt berechnet werden, wenn z.B. die Rohdichte oder Lambdawert des Material z.B. einer Poroton-Außenwand sowie die Dicke des Materials z.B. 30cm bekannt sind. Sind diese nicht bekannt, kann lediglich eine mehr oder weniger genaue Schätzung durchgeführt werden(überschlägige Berechnung).

Die Berechnungsgrundlagen für die Berechnung von Heizlast / Heizwärmebedarf und U-Werten basieren jedoch auf Formeln der Thermodynamik, d.h. auf den Differenzen von Lufttemperaturen (innen und außen). Da jedoch Infrarotheizungen nach den Gesetzen der Strahlungsphysik und eben nicht nach der Thermodynamik funktionieren, müssten zur Berechnung der Heizlasten und des Heizwärmebedarfs eigentlich Berechnungsmodelle nach der Strahlungsphysik bestehen. Doch leider sind solche Berechnungen in keiner DIN-Norm enthalten.

Das bedeutet also folgendes:
Für die Dimensionierung von Infrarotheizungen, sowie die Berechnung des Heizwärmebedarfs von Infrarotheizungen existieren keinerlei DIN-Normen, Modellrechnungen oder verbindliche Vorgaben.
Infrarotheizungen also Wärmestrahlungsheizungen, werden nach den physikalischen Gesetzen der
Thermodynamik berechnet, was natürlich so nicht richtig sein kann. Die Heizungsbranche ignoriert also Wärmestrahlungsheizungen komplett. Und dieses spiegelt sich auch in den diversen Energie-
Einspargesetzen wie z.B. EnEV (Energieeinsparverordnung), erneuerbares Wärmegesetz (EWärme) etc. wieder.

Es ist also so, dass die Hersteller von Infrarotheizungen und deren Verkäufer zur Berechnung von
Heizlast und Wärmebedarf vor allem „eigene Erfahrungswerte“ verwenden, die man glauben kann oder auch nicht.

Um das Ganze jetzt noch konfuser und undurchsichtiger zu machen, möchte ich noch folgende
Überlegungen bzgl. den U-Werten und Materialen einwerfen:
Um die Vorgaben der EnEV (Energieeinsparverordnung) zu erfüllen, müssen z.B. Außenwände
die Mindestanforderungen bzgl. Wärmedämmung erfüllen. Das gilt natürlich auch für die
Beantragung von Fördermitteln bei der KfW-Bank. Das ist ja allgemein bekannt.
Es ist jedoch so, dass z.B. die Wärmedämmwerte von Styropor und andere Stoffe, die zur
Wärmedämmung verwendet werden unter Laborbedingungen ermittelt werden, d.h. bei 0% Feuchtigkeit (also im trockenen Zustand) und bei 10°C Raumlufttemperatur.
Aber leider hält sich die Natur nicht nach diesen Laborwerten. Wir haben es, wie jeder weiß, mit
ständig wechselnden Innen – und vor allem Außentemperaturen sowie mit wechselnder Luftfeuchtigkeit zu tun. Und trotzdem tut man so, als ob ständig Laborbedingen herrschen würden.
Höhere Feuchtigkeit z.B. in einer Außenwand bedeutet eine besserer Wärmeleitfähigkeit der Wand und damit eine schlechtere Wärmedämmung.

Das wiederum bedeutet, dass die klassischen Berechnungen des jährlichen Wärmebedarfs auch aufgrund der wechselnden Wetter-und Klimaverhältnisse nicht korrekt sein können, weil man eben von statischen Bedingungen (gleichbleibende U-Werte etc.) ausgeht.
Aber Hauptsache die theoretischen Berechnungen stimmen. Ob diese dann in der Praxis auch so eingehalten werden können oder nicht, scheint egal zu sein.

Natrusteinheizung Esszimmer

Natursteinheizung im Esszimmer

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