Infrarotheizung: Berechnungsbeispiel Wohnzimmer

Infrarotheizung: Berechnungsbeispiel Wohnzimmer
Um für bewohnte Zimmer wie zum Beispiel Wohnzimmer, Kinderzimmer, Badezimmer
etc. die entsprechenden erforderlichen Raumtemperaturen erreichen zu können, müssen die
Infrarotheizungen bzw. die Heizleistungen (Heizlast) der Heizungen für jedes einzelne Zimmer berechnet werden.
Beispiel-Liste zur Orientierung mit Räumen und deren Raumtemperaturen:
Wohn-/Kinder-/Gäste und Arbeitszimmer :       20°C/21°C
Küche, Diele/ Flur:                                                         18°C/19°C
Schlafzimmer:                                                                  16°C/18°C

Beispiel „Wohnzimmer“
Das Wohnzimmer hat eine Raumhöhe von 2,4 und eine Grundfläche von 28m². Zwei Seiten mit
7m und 4m sind Außenseiten. Die Fensterfläche im Wohnzimmer beträgt 5m². Das Wohnzimmer
befindet sich im EG. Darunter ist ein unbeheizter Keller. Die Kellerdecke ist nicht wärmegedämmt.
Über dem Wohnzimmer befindet sich das OG mit beheizten Zimmern. Das Haus ist freistehend und
Baujahr 1982, nicht wärmegedämmt. Die Außenwände sind 30cm dick und aus Poroton.
Dies sind in diesem Beispiel sämtliche bekannte Daten und Werte zu diesem Haus / Wohnzimmer.

Es gibt nun grundsätzlich zwei Berechnungsmethoden um die korrekte Heizlast und den jährlichen Heizwärmebedarf eines Zimmers zu berechnen:
1. AllgemeineTabellenwerte
Hierbei handelt es sich um grobe bis sehr grobe „Schätzwerte“ in Verbindung mit allgemeinen
Erfahrungswerten. Eine solche Berechnung kostet kaum Zeit, ist sehr ungenau und berücksichtigt
die örtlichen Gegebenheiten überhaupt nicht. Ein Angebot, das auf Basis von Tabellen werten
erstellt ist, ist sehr ungenau. In der heutigen Zeit sollte man auf solche Schätzwerte, wie sie
zum Beispiel in den 50er oder 60er Jahren üblich waren, auf jeden Fall verzichten.

2. Detaillierte Berechnung (Hüllflächenverfahren / Näherungsverfahren)
Hierbei werden die örtlichen Gegebenheiten und sämtliche Wand-Fensterflächen etc.
mit den jeweiligen U-Werten berücksichtigt. Solche Berechnungen können allerdings nur
geprüfte Gebäude-Energieberater, Architekten oder Bauingenieure durchführen.
In diesem Fall wird für jedes einzelne Zimmer die korrekte Heizlast berechnet. Natürlich ist
der Aufwand im Vergleich zu Nr.1 (Allgemeine Tabellenwerte) ungleich höher. Dafür aber
viel genauer und professioneller. Trotzdem handelt es sich hier um ein Näherungsverfahren.
Falls es die Witterung erlaubt, vor allem in Winter, setze ich persönlich noch meine Wärmebild-
Kamera ein um eventuelle Schwachstellen wie Wärmebrücken am Mauerwerk oder an den
Fenstern berücksichtigen zu können. Diese Ergebnisse verwende ich dazu um die Berechnungen
zu verbessern.

Der prinzipielle Rechenweg ist wie folgt:
Durch die Wände, Fenster und Kellerdecke geht Wärme verloren. Nach oben zum beheizten OG
geht keine Wärme verloren, da oben im OG beheizte Zimmer sind. Diese Art der Wärmeverluste
nennt man „Transmissionswärmeverluste“, die man berechnen sollte.
Zusätzlich geht sogenannte „Lüftungswärme“ verloren. Die Berechnung solcher Lüftungsverluste ist per Norm vorgeschrieben unabhängig ob diese wirklich auftreten oder nicht.
Eventuell fallen auch noch „Wiederaufheizverluste“ an. Wenn  Zimmer nur ab und zu beheizt werden oder wenn man beispielsweise die Raumtemperaturen regelmäßig absenkt wie bei der Nachtabsenkung.

Ergebnis in diesem Beispiel, ohne Wiederaufheizverluste:
Für das Wohnzimmer wird eine Heizlast von ca. 2250 Watt benötigt.

Wenn man neue wärmegedämmte 3-Scheiben-Fenster einbaut, werden noch 1,95 kW benötigt.
Wenn man die Kellerdecke wärmedämmt, werden noch 1900 Watt benötigt.
Wenn die Außenwände wärmegedämmt werden, werden noch 1910 Watt benötigt.
Wenn man alle drei Maßnahmen durchführt werden noch 1240 Watt benötigt.

Die Investitionskosten für die drei Maßnahmen betragen ca. 8.000.-€. Die Energieeinsparung beträgt pro Jahr ca. 240.-€, wenn mit einer Infrarotheizung, also mit Strom geheizt wird. Zusätzlich spart man
einmalig ca. 200.-€, weil man kleinere bzw. leistungsschwächere Heizplatten benötigt.
Die Amortisationszeit der Wärmedämmmaßnahmen liegt bei ca. 30 Jahren, je nachdem wie
hoch die Strompreissteigerungen sein werden. Würde man die 8000.-€ langfristig anlegen und z.B. jährliche Zinsen von 3% erhalten (Zinsen=240.-€), reicht ein Leben nicht aus, dass sich die drei Maßnahmen amortisieren, weil man den Energie-Einsparungen von 240.-€ mit den entgangenen
Zinsen von 240.-€ gegeneinander aufrechnen muß.

Dies ist lediglich ein Beispiel um den generellen Weg einer Heizlastberechnung aufzuzeigen und
gleichzeitig zu zeigen, wie man selbst eine vereinfachte Amortisationsberechnung durchführen kann.

Alternativ und zum Bruchteil der Kosten würde ich in diesem Fall innen im Wohnzimmer eine Energie-Einsparfarbe streichen und die Kellerdecke wärmedämmen. Das kostet insgesamt nur
ca. 1500.-€ und reduziert die Heizlast auf 1750 Watt. Die jährliche Energieeinsparung beträgt ca. 120.-€. Der jährliche Zinsverlust für 1500.-€ beträgt 45.-€.  Die Investition von 1500.-€ hat sich also rechnerisch nach 12-15 Jahren amortisiert.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>